We Have Band
Wir haben Dancefloor
Wieder so eine Band, die man sich gar nicht hätte ausdenken können. Die Indie-Groove-Sensation der Saison ist ein flotter Dreier aus Manchester, inklusive Ehepaar.
„Schon ein eigenartiges Verhältnis, das wir drei haben“, sinniert Darren Bancroft, der Frontmann der sonderbaren, aber erstaunlich hittigen Combo We Have Band. „Ich kannte Dede aus der Arbeit und habe regelmäßig abends bei ihr vorbei geschaut. Thomas, ihr Mann, kochte, danach ging’s eine Etage höher zum Krachmachen. Parallel zur Musik hat sich also eine Freundschaft entwickelt, und das ist klasse. Denn ich war in Bands, da gab es das nicht, und es ist echt übel, wenn man nach dem Konzert gemeinsam im Zug nach Hause sitzt und sich einfach nichts zu sagen hat.“
Dass nur Darren Profi war, war kein Problem. „Dede hatte überhaupt noch nie Musik gemacht, als wir anfingen. Sie sagt heute noch dauernd: ‚Ich bin halt keine Musikerin.’ Dann rollen Thomas und ich mit den Augen und schimpfen mit ihr: ‚Was willst du eigentlich? Du tourst und hast ein Album draußen, klar bist du eine!’“
Wie diese Kombi funktioniert, spiegelt sich exemplarisch im Gesang, denn alle drei greifen zum Mikro. Darren hat dabei die perfekte, wandlungsfähige Gesangsstimme, Thomas dagegen mit seinem eher flachbrüstigen Raspeln beschränkt sich meistens auf eine Art Sprechgesang. Dede letztlich nölt gerne mal fernab aller bekannten Tonleitern. Das sollte nicht passen, funktioniert aber perfekt – obwohl, oder vielleicht gerade weil alle drei die Songs in verschiedene Richtungen zu zerren scheinen. Ein Track wie „Hear It In The Cans“ klingt dann, als hätten alle drei zum gleichen Indiebeat ihren jeweils eigenen Song geschrieben und würden nun ihre Versatzstücke ineinander stöpseln. „Genau das ist tatsächlich oft unsere Arbeitsweise“, kichert Darren. „Wir lassen die Dinge laufen und dann stecken wir sie zusammen wie Lego.“
Wer nun glaubt, das Trio sei ein Home-Projekt, irrt. „Wir hatten sehr früh einen Booking-Agenten. Seitdem sind wir auf Achse. Letztes Jahr spielten wir 150 Gigs. Ohne Plattenvertrag waren wir in Amerika, Australien, Russland, Europa. Das hat unsere Rechnungen bezahlt.“ Und ermöglicht, dass die Band sich auf eigene Kosten einige Singles und Videos leistete, getreu Darrens Motto: „Wenn man kein Budget hat, muss man eben kreativ sein.“ Wie das funktioniert, sieht man z.B. am Clip für „Hear It In The Cans“, in dem die Band nur mit ihren Gesichtern und viel farbiger Schminke ein Top-Ergebnis erzielt. „Das Video hat uns nichts gekostet außer der Farbe – doch hinterher ist uns die Haut fast abgefallen. Aber nicht nur die Clips, auch unser Album haben wir letztlich selbst finanziert. Das Label haben wir uns erst danach gesucht.“
Ach ja, das Album. „WHB“ heißt es, und es ist gespickt voll mit ultratanzbarem Chaospop (lasst euch nicht von den ersten zwei Tracks täuschen). Teils Hot Chip, teils Hot Chocolate, ist dies das ultimative Dancefloor-Futter der Saison. Auch wenn, so Darren, „wir gar keine Clubgänger sind. Auch die Vergleiche mit La Roux und Delphic, die ich immer lese, kann ich nicht so nachvollziehen. Das sind doch zwei Acts, die sich extrem an den 80s orientieren – wir finden die 80s schon okay, aber wir berufen uns viel mehr auf 70s-Disco, und auf Punk-Funk à la The Rapture.“
[Henning Furbach]
We Have Band
WHB
naive/indigo


