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True Blood

Die komplette vierte Staffel

Es müssen nicht nur Blutsauger sein: Mit von Hexen besessenen Geistern, White Trash-Katzenmenschen und   intrigenreicher Vampirpolitik wildert sich Alan Balls geniale hitserie durch die Horrorgenres. 

Wenige Folgen war Alan Balls bissige Vampirserie erst alt, da griff der „True Blood“-Hype bereits um sich. Als Gegenmittel zur braven und blockbustertauglichen Teenagerliebe nahm HBO-Veteran Alan Ball („Six Feet Under“) die Vorlage der Autorin Charlaine Harris ,um daraus eine bitterböse, blutige und mehr als freizügige Blutsaugersaga für Erwachsene zu basteln.

Kein romantisches Schmachten, sondern blutiges Schlachten ist das Ziel der frisch geouteten Vampire in Balls übernatürlichem Amerika. Die offen eingestande Existenz der Fabelfiguren zerreißt das Land: Fundamentalistische Christen sehen in den untoten Blutsaugern Diener Satans, die es zu vernichten gilt, liberale Mitbürger drängen auf Integration. Auch auf Vampirseite ist das Lager gespalten in Befürworter der friedlichen Koexistenz und Verfechter einer offenen Konfrontation. Populisten auf beiden Seiten gießen Öl ins Feuer, im verschlafenen Redneck-Kaff Bon Temps ist davon jedoch wenig zu spüren.

Drei Seasons lang bandelten die telepathisch begabte Kellnerin Sookie (Anna Paquin) und der allzu nette, knapp 150-jährige Vampir Bill (Stephen Moyer) miteinander an,, so eindeutig wie früher scheint die Zuneigung aber nicht mehr zu sein. Bill verheimlicht seine wahren Motive, Sookie verfällt zunehmend dem animalischen Charme des unberechenbaren Ex-Wikingers Eric (Alexander Skarsgård). Gleichzeitig scheint Werwolf Alcide (Joe Manganiello) zu Sookie hingezogen. Die zentrale wie delikate Dreiecksbeziehung erhält dadurch eine neue Dimension, vor allem nachdem sich herausstellt, dass nicht alleine Sookies sonniges Gemüt auf Vampire anziehend wirkt. Während Bill in der immer noch undurchsichtigen Hierarchie emporsteigt und die Konsequenzen des blutigen Amoklaufs von Vampirfürst Russell Edgington mit PR-Arbeit entschärft, droht eine neue Bedrohung in der Gestalt der unscheinbaren Esoteriktante Marnie, die unkontrollierbare Kräfte entfesselt.

Auch Season vier setzt auf die bewährte Mischung aus schwelendem Erotikdrama und augenzwinkernd unterlaufenen Horrortraditionen vor vermeintlich idyllischer Südstaatenkulisse. Zwischen viel nackter Haut und reichlich vergossenem Blut kommt dabei selbstverständlich auch Balls tiefschwarzer Sinn für Humor nicht zu kurz: Aufgeregt lispelnde Vampire, eine resolute Heldin, bei der man sich des öfteren fragt, ob sie nun dickköpfig oder doch nur sehr naiv ist, und der genüssliche Bruch mit Klischees des Horrorgenres lockern die schwüle Atmosphäre aus übernatürlichen Bedrohungen, offenherzigem Sex und nicht weniger offenherziger Gewalt.

„True Blood“ ist jedoch weit mehr als der publikumswirksame Dreisatz aus Sex, Drama und Gewalt: Die zunehmende Spaltung der USA in konservatives bis reaktionäres und liberal weltoffenes Lager, die derzeit den Präsidentschaftswahlkampf prägt, thematisierte „True Blood“ schon in seiner ersten Staffel. Eine fundamentalchristliche Rhetorik gegen die Gottlosigkeit des Gegners und eine aufgeheizte, mit religiösen Argumenten gespickte Diskussion über die Gefahren der Gleichberechtigung bestimmen nicht nur bei „True Blood“ die Emanzipationsdebatte. Dennoch bleibt die Serie vor allem eins: beste Erwachsenenunterhaltung zwischen einfallsreicher Horrorserie und sündigem Liebesdrama, die sich selbst und ihre pulpige Prämisse nie besonders ernst nimmt. Mit attraktivem Ensemble, jeder Menge Überraschungen und neuen Charakteren setzt auch Staffel vier den Siegeszug des Quotenerfolgs fort.
Gerhard Maier

True Blood – Staffel 4
USA seit 2008 | Warner
Regie: Michael Lehmann u.a.
Darsteller: Anna Paquin, Stephen Moyer, Ryan Kwanten, Alexander Skarsgård
Features: k.A.

Fazit: sündig, sinnlich und getränkt in Hämoglobin präsentiert sich auch Staffel vier des HBO-Hits über Vampire und Rednecks

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