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The Middle

Die komplette erste Staffel

Finanzielle Engpässe, der ganz normale Familienwahnsinn und eine Mutter im alltäglichen Krisenbewältigungsmodus: Mama Frances Heck und ihr Clan stehen im Mittelpunkt der amerikanischen Erfolgs-Sitcom über eine typisch untypische Familie. 

Als eine der ersten Serien der Fernsehsaison 2009/2010 durfte sich die Single-Camera-Sitcom „The Middle“ über ihren Fortbestand freuen. Während der Kahlschlag bei anderen Comedyformaten nach fehlgezündeten Pilotfolgen erheblich war, orderte der Sender ABC bereits nach der Ausstrahlung der ersten Folge eine ganze Season, zwei Monate später folgte die Order für die nächste Staffel.

Besonders überraschend kommt der Erfolg nicht: Zum einen ist Hauptdarstellerin Patricia Heaton in der amerikanischen Sitcom-Landschaft mehr als prominent. Für neun Jahre und 209 Episoden spielte sie Debra Baron, die von den Schwiegereltern, ihrem konfliktscheuen Gatten und dessen debilem Bruder geplagte Hausfrau im Sitcom-Dauerbrenner „Alle lieben Raymond“. Erfolgreich, mit Preisen ausgezeichnet und politisch für die Republikaner aktiv, ist Heaton so etwas wie die Gallionsfigur des eher konservativ orientierten Kernlands der Vereinigten Staaten. Was direkt zum zweiten Grund für den Quotenerfolg von „The Middle“ führt, der sich bereits im Titel ausdrückt. Denn Familie Heck, bestehend aus Mutter Frances (Heaton), Gatte Mike (Neil Flynn), den Teenagern Axl (Charlie McDermott ) und Sue Sue (Eden Sher) und Nesthäkchen Brick (Atticus Shaffer) verkörpert allen humorigen Skurrilitäten zum Trotz den alltäglichen Wahnsinn der amerikanischen Durchschnittsfamilie perfekt: mit Wohnort Indiana im uramerikanischen Herzen des Landes, als Vertreter der unteren Mittelschicht auch wirtschaftlich Durchschnitt. Kurz: eine vollkommen normale Familie. Was natürlich nicht ganz zutrifft, denn vollkommen normale Familien stehen selten im Mittelpunkt einer Erfolgs-Sitcom.

Für den Comedy-Faktor sorgen dabei die kleinen und großen Eigenheiten, die in diese Durchschnittsnormalheit eingebettet sind: Frances versucht, die ständigen finanziellen Engpässe der Familie durch eine Zweitkarriere als wenig erfolgreiche Autohändlerin aufzubauen, Sohn Axl schlurft als typisch lustloser und arbeitsfauler Teenager durchs Haus. Tochter Sue Sue, die ihren ungewöhnlichen Namen einem Flüchtigkeitsfehler bei ihrer Geburtsurkunde verdankt, glänzt bei außerschulischen Aktivitäten mit großem Interesse und kaum zu zügelndem Enthusiasmus, zeigt sich abgesehen davon aber als reichlich talentlos. Auch Brick, der mit kernigem Namen zum männlichsten und selbstbewusstesten Vertreter des Heck-Nachwuchses werden sollte, erweist sich als hochbegabter Sonderling. Zum Status des Genies reicht es jedoch nicht ganz, denn Brick lässt sich von jeglicher Ablenkung sofort aus dem Konzept bringen. Vater Mike stellt mit seiner direkten und offenen Art dabei so etwas wie den stabilen Anker des Heck-Clans. Zusammen mit schillernden Chrakteren aus Nachbarschaft und Arbeitsumfeld ergibt sich daraus ein geniales Figurenpersonal, das Humor besitzt, ohne zu Karikaturen zu werden.

Eben diese Mischung macht „The ­Middle“ zum höchst charmanten Comedy-Tipp: Zwischen alltäglichem Familienwahnsinn und Dauerchaos, brillant ausgearbeiteten Charakteren und gewitzten Dialogen sowie mit dem gefeierten Jungstar Atticus Shaffer als Brick, herrlich bizarrer Grenzfall zwischen IQ-Bolzen und Doofkopf, sorgen die Hecks für beste Unterhaltung. Als eben gar nicht durchschnittliche Durchschnittsfamilie sind sie dabei jetzt schon die witzigste und herzlichste Fernsehsippe seit „Malcolm mittendrin“. Und – das ist bei Sitcom-Erfolgen nicht unbedingt immer der Fall – „The Middle“ bleibt dabei stets familientauglich.
Eric B. Morten

The Middle
USA seit 2009 | Warner | VÖ: 11.05.
Regie: Ken Whittingham u.a.
Darsteller: Patricia Heaton, Neil Flynn, Charlie McDermott, Atticus Shaffer, Eden Sher, Chris Kattan
Features: k.A.

Fazit: herzlich, skurril und immer witzig – Staffel eins der höchst erfolgreichen Familien-Sitcom auch bei uns!

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