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The Hickey Underworld

Die Geschichte mit der Sekräterin

dEUS, Soulwax, Das Pop waren gestern, The Hickey Underworld sind die Belgier der Stunde. Mit Crap-Core, Horror-Sexploitation und Uns-doch-egal rocken und schocken sie auch über ihre Landesgrenzen hinaus. Bei den Briten hagelte es sogar schon eine Klage.

„Die Details klemm ich mir jetzt mal besser, schließlich wollten wir ja nur noch seriöse Interviews geben...“ Gitarrist Jonas Govaerts
bricht die Geschichte mit der Sekretärin von Mischer-Guru Howie Weinberg, bei dem Hickey Underworld ihr Debütalbum haben formvollenden lassen, abrupt ab. Die Zensur hat ihre liebe Berechtigung: Govaerts hat sich unlängst übel die Zunge verbrannt. In einem britischen Magazin haben er und Sänger Younes Faltakh ein paar „harmlose Witze“ über Vergewaltigung und Pädophile gerissen: „Standardmist, den man halt so erzählt!“, spielt Govaerts die Sache runter. „Die Fragen waren einfach so bescheuert, also dachten wir, wir müssten witzig sein. Aber die Briten haben halt keinen Humor.“ Wie dem auch sei: Jetzt haben sie angeblich eine Klage am Hals. Also geben Jonas und Younes für piranha lieber präventiv nur die „hard facts“ zu Protokoll: „Howie Weinberg? Sicherlich hat der auch Nirvanas Nevermind gemischt. Aber kein Ding: ihm einfach eine Mail geschrieben. Sein Okay bekommen. Hat seinen Job gemacht. Bezahlt. Fertig.“ Wer also wie Weinbergs Sekretärin vernascht hat, wird also für immer ein Geheimnis bleiben. Soll es ruhig. Es gibt noch ganz andere, interessante Gründe, über die vier Belgier aus dem flämischen Antwerpen, die einige als den besten belgischen Export seit Soulwax bezeichnen, zu berichten. Zum Beispiel, dass sie sich musikalisch in der Tradition der 90er sehen, als moderne Wiederaufbereitung von Refused, Kyuss, Nirvana oder Fugazi. Dem eigenen Ermessen nach ist das Emo-Punk, der fast schon technoide Züge hat, obwohl die Kritiker immerzu von Hardcore, Punkrock und Alternative schreiben. „Crap-Core!“, fasst Faltakh das noch einmal knapp und knackig zusammen. Er trägt dazu ein Bad Brains-T-Shirt und ein Slacker-Cap. „Wir sind einfach gelangweilt von jedweder Normalität“, ergänzt Jonas, der sich live schon mal ein Skelettkostüm überstülpt. Der brasilianische „Horror-Sexploitation-Filmemacher“ (die Band) Zé de Caixao aka „Coffin“ (zu deutsch: Sarg) zeichnet fürs Booklet verantwortlich. „Es geht darum, eine eigene Welt zu erschaffen.“ „Hickey Underworld, das ist eine Unterwelt, die vom Supernatürlichen durchdrungen ist.“ „Vampire-like“, spinnt wiederum Younes die Antwort weiter. Freaks. Fabelwesen. Alles, was abgefahren ist.  Ob sie viele Drogen nehmen? „Ähhh. Schon. Manchmal.“ Und schon wieder lachen die beiden ihr Beavis and Butthead-Lachen. Das Beste an Hickey Underworld aber ist, dass sie ihre exquisiten Neigungen und Vorlieben und ihren expliziten Geschmack in tolle Melodien kanalisieren können. Am besten gelingt das in „Blonde Fire“, einer Granate von Krachmach-Song, der sich in seinem fiebrigen Immer-feste-druff-Drive längerfristig im Gehörgang verfängt. „Of Asteroids And Men... Plus Added Wizardry” schlägt eine ähnliche Richtung ein und wird der Band ebenfalls einen festen Platz im „So krass ging’s 2009 ab“-Jahres-Poll bescheren. Auf alle Fälle werden The Hickey Underworld, wenn alles gut läuft, nicht länger „ganz am Ende der belgischen Band-Nahrungskette“ (Younes) stehen. Nach dEUS, nach Soulwax, nach Das Pop. „Erfolg ist deshalb gut, weil wir dann auch im Ausland spielen können. England hat sich wegen der Klage erst mal erledigt, aber Deutschland ist super. Vor allem eure ‚Sexy Sport Clips’ im Fernsehen sind echt immer eine Reise wert.“ Der Mann kann es einfach nicht lassen.


[Simon Schneller]

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Naive/Indigo

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