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The Dead Weather

Die Retter

Mit dem zweiten Album seiner Drittband verfolgt Jack White ein geradezu missionarisches Ziel: Er will die Rockmusik retten. Und zwar mit guter Musik in ausgefallenen Formaten.

Er ist zwar gerade erst aus dem Kingsize-Bett seiner Suite im Palms Casino von Las Vegas gefallen, doch wenn man an den richtigen interviewtechnischen Knöpfen dreht, läuft Jack White alias John Anthony Gillis schnell zu verbaler Höchstform auf. Schließlich wähnt sich der 34-Jährige mit Wahlwohnsitz Nashville auf einer echten Mission: Er will die planlose Musikindustrie auf ganz und gar unkonventionelle, weil idealistische Weise retten. Nämlich mit Masse und Klasse.

Was auch die Flut an Veröffentlichungen auf seinem Indielabel Third Man Records erklärt – mal in mehrfarbigem Vinyl, als Glow In The Dark-Edition oder im TexasÜberformat (13 statt 12“) sowie in einer Auflage von gerade mal 100-150 Exemplaren, die auf Konzerten bzw. per Mailorder feilgeboten werden.

„Natürlich könnten wir davon ein paar Tausend Stück pressen und auf diese Weise mehr Profit machen. Aber darum geht es nicht. Sondern ich will die Jugend dahingehend sensibilisieren, dass Musik etwas ganz Besonderes sein kann. Etwas, mit dem sich eine Menge Spaß haben lässt. Und das beginnt bei starken Songs und endet bei guten Ideen im Bezug auf die optische Umsetzung. Eben als rare Singles, übergroße Alben oder was auch immer. Denn das schärft die Fantasie und Sammelleidenschaft der Kids und macht sie zu zahlenden Musikkonsumenten, die sich leicht binden lassen. Genau das hat die Industrie mit ihren langweiligen CDs und Downloads immer noch nicht verstanden. Eben dass man auch einen visuellen Anreiz bieten muss.“

Was er mit dem zweiten Album seiner Drittband einmal mehr eindrucksvoll vorexerziert: „Sea Of Cowards“ erscheint nicht nur in diversen Vinylausgaben, die White noch nicht erörtern möchte („um die Überraschung nicht zu zerstören“), sondern erweist sich auch musikalisch als echte Offenbarung. Mit elf Stücken, die eine ganze Spur rauer, dreckiger und bluesiger ausfallen als das Debüt „Horehound“, witzige Anleihen bei Deep Purple (fetter Hammond-Sound) und Jefferson Airplane (exaltierter Gesang) aufweisen und vor allem eine kämpferische inhaltliche Ausrichtung verfolgen.

Denn White stellt sich hier seinen Kritikern und Neidern, die ihn wahlweise für seinen massiven Output oder seinen Status als einer der wichtigsten Musiker des 21. Jahrhunderts angehen und sich dabei hinter anonymen Blogs und Emails verstecken. „Das Internet ist voll von Leuten, die sich zu Themen äußern, von denen sie keine Ahnung haben. Aber statt das öffentlich zu tun, und für das, was sie da verzapfen, einzustehen, verstecken sie sich hinter falschen Namen und Fotos. Was so etwas von feige ist. Und das hat mich zu diesem Albumtitel und ein paar deutlichen Worten verleitet. Also: Wer ein Problem mit mir hat, soll mir das persönlich sagen – dafür bin ich immer offen.“ Der Retter hat gesprochen!

[Marcel Anders]

The Dead Weather
Sea Of Cowards
Third Man/Warner

"Sea Of Cowards" von The Dead Weather bei mp3.saturn.de

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