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Slash

Die Freiheit nehm ich mir

Er war über die Jahre schon  Teil der "most dangerous band in the world", Meister der Schlangengrube, Gitarrengold auf unzähligen Platten verschiedenartigster Künstler, todgeweiht, Comicfigur und "nicht real". An eine Erfahrung muss er sich aber erst noch gewöhnen: sein eigener Herr zu sein.

Richtig, man würde denken, dass dieser wohl coolste, kultisch verehrteste und vielleicht begnadetste Gitarrist seiner Generation schon lang die Zügel in der Hand hält. Mit Guns N‘ Roses wurde er im Handumdrehen zu einem der größten Rockstars des Planeten, die Nachfolgeband trug seinen Namen, und auch Velvet Revolver wurden nie als irgendetwas anderes als seine Truppe angesehen.

Doch wie er so dasitzt mit seiner wie immer festgemeißelten Sonnenbrille und dem unfassbar lässigen Lederzylinder auf der Lockenpracht, ist fast kindlicher Enthusiasmus zu spüren, als er erzählt, dass erst der Beginn seiner Sololaufbahn mit „Slash“ 2010 der Startschuss zur Selbstbestimmung war.

„Ich fand mich immer in einer Situation, wo mir in irgendeiner Form diktiert wurde, was ich tun sollte. Am schlimmsten war es mit Snakepit. Die zweite Platte zu machen, war die schlimmste Erfahrung meiner Karriere. Aber jetzt ist das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich und nur ich sage, wo‘s lang geht.“

Deutlicher hätte er das mit seinem Solodebüt nicht machen können. Er ließ verlautbaren, dass er endlich mal nicht streiten müsse, sondern einfach die Musik machen könne, die er wolle, die dann von einer höchst illustren Riege von Gastvokalisten (Ozzy, Iggy, Fergie, Adam Levine, Chris Cornell, Ian Astbury, Andrew Stockdale...) geschmückt wurde.

Das Album wurde zum Überraschungserfolg, was Neider veranlasste, ihm Ausverkauf und Anbiedern an den Mainstream vorzuwerfen. „Klar, damit habe ich viele Leute erreicht, die wohl nicht unbedingt Slash-Fans waren. Und wieso sollte ich einem geschenkten Gaul ins Maul schauen? Ich halte mich nicht gerne damit auf, über Vergangenes nachzudenken.“

Über seine turbulenten Zeiten an der Seite von gleich zwei der berüchtigtsten Frontdiven der Rockgeschichte – nur wer so episch laid-back ist wie Slash, kann wohl Axl Rose UND Scott Weiland überleben – spricht er nicht, darüber, dass er das Prinzip der Alleinherrschaft schon wieder begraben hat, allerdings schon. Denn einer der Gastsänger auf dem letzten Album, Alter Bridge-Frontmann Myles Kennedy, wurde zur Schlüsselfigur. Und das nicht nur als Tourbegleiter.

„Es war schon ein glücklicher Zufall, schließlich war er der Letzte, der für das Album damals ausgewählt wurde. Dann trafen wir uns und verstanden uns sofort. Er ist ein toller Typ, bescheiden, arbeitet hart und ist ein großartiger Sänger, der das ganze Spektrum von Guns bis zum aktuellen Material beherrschte. Also nahm ich ihn mit auf Tour, und das war fantastisch.“

So fantastisch, dass auch Drummer Brent Fitz und Bassist Todd Kerns zu Slashs neuer permanenter Band wurden. „Es hat so riesigen Spaß gemacht, einfach zwei Stunden lang abzurocken mit diesen Jungs. Und das neue Album ist sozusagen die Verlängerung dieser Tour. Das ist, was passiert, wenn ein paar Typen in einem Studio die Sau rauslassen, ohne sich um irgendetwas zu kümmern. Wir schrieben schon auf Tour, und wenn die anderen Jungs Input wollten, war das nie ein Kampf, sondern sehr konstruktiv. Und ich bin total heiß darauf, mit ihnen auf die nächste Tour zu gehen!“

„Apocalyptic Love“ heißt das neue Werk unter dem Banner Slash featuring Myles Kennedy & The Conspirators und ist tatsächlich ein prachtvolles Rock‘n‘roll-Album wie aus einem Guss:

Wild, heavy, ungestüm, klassisch, dreckig, vielschichtig, abwechslungsreich, und natürlich mit jener gottgleichen Gitarre gesegnet, die man schon beim ersten Ton als Slash erkennt. Oh doch, liebe „South Park“-Leute, Slash ist real – und nach wie vor die coolste Sau im Business.

Matthias Jost

Slash featuring Myles Kennedy & The Conspirators
Apocalyptic Love
Roadrunner/Warner

"Apocalyptic Love" von Slash featuring Myles Kennedy & The Conspirators bei mp3.saturn.de

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