Planet der Affen – Prevolution
Der Mensch: Vom Aussterben bedroht
James Franco und Freida Pinto erleben, wie Intelligenzbestie Caesar die Revolution gegen die Menschheit anführt.
Die Meisterung eines Prequels ist große Kunst. Es gilt in Zeiten rasanter Entwicklungen im Spezialeffektbereich nicht mit visuellem Bombast den Flair des Originals zu zerstören und dabei dennoch den Geschmack des effektverwöhnten Publikums zu treffen. Gleichzeitig soll sich die Vorgeschichte nahtlos in den Kanon der Filmreihe einfügen und dabei in Hinblick auf Spannung und Tragweite des zentralen Konflikts relevant und mitreißend bleiben. Zuletzt wollen jene eingefleischten Fans, die meist den Großteil des wahlweise positiv oder negativ ausfallenden Internetgemurmels ausmachen, in ihren Bedenken und Wünschen beachtet werden. Kein Wunder somit, dass die meisten Prequels keinen besonders guten Ruf haben.
Im Fall von „Planet der Affen – PRevolution“ sind diese Bedenken jedoch allesamt unberechtigt. Denn Regisseur Rupert Wyatt erweist sich als perfekter Kandidat, in dessen Händen die berühmte Science Fiction-Franchise bestens aufgehoben ist. Wyatt hatte zwei Jahre zuvor mit seinem exzellent konstruierten und inszenierten Gefängnisausbruchsthriller „The Escapist“ auf sich aufmerksam gemacht, mit seiner großartigen Arbeit am „Planet der Affen“-Prequel zeigt er, warum er der beste Mann für den Job ist: Wo man eine Neuauflage des Sci-Fi-Klassikers unter dem Vorzeichen der Absurdität des Plots erwarten würde, liefert Wyatt einen höchst glaubwürdigen Actionthriller, der auf smarte Charaktere und packende Story statt auf Spezialeffektgetöse vertraut.
Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei weniger die menschliche Sicht auf jene Ereignisse, die letztendlich und unausweichlich zur Affenherrschaft führen werden, sondern die Perspektive von Primatenanführer Caesar. Den schließt der Zuschauer schon früh ins Herz, wenn er als knuffiges Affenbaby vom jungen Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) vor dem Gifttod gerettet wird. Denn nach einem Zwischenfall mit den Versuchstieren in der Konzernzentrale des Pharmariesen GenSys werden dort sämtliche Primaten eingeschläfert, die an Wills vielversprechenden Experimenten im Bereich der Neurologie teilgenommen hatten. Während Will die aufwendige und arbeitsintensive Forschung für ein Medikament gegen Alzheimer komplett von vorne beginnen muss, zeigt der inzwischen zum Affenteenager herangewachsene Caesar eine bemerkenswerte Entwicklung seiner Intelligenz. Er beherrscht eine Zeichensprache, mit der er sogar komplexe Gefühle ausdrücken kann, und schneidet bei sämtlichen Intelligenztests mit Bestleistungen ab. Das beeindruckt sogar Primatenexpertin Caroline (Freida Pinto), die sich mit Will und seinem ungewöhnlichen Begleiter Caesar anfreundet. Doch das wahre Ausmaß seiner Intelligenz zeigt Caesar erst, als er nach einem Zwischenfall im schäbigen Gehege des sadistischen Tierwärters Doug landet. Mit Freiheitswillen und Rachegedanken setzt Casear eine Kette von Ereignissen in Gang, die unsere Welt für immer verändern werden.
Mit revolutionärer Motion Capturing-Technologie der SFX-Schmiede WETA leiht Andy Serkis nach seiner Rolle als Gollum in „Der Herr der Ringe“ sein Antlitz erneut einer digitalen Schöpfung. Als Caesar an der Seite von James Franco und Freida Pinto bemerkenswert gut, als Teil der Summe sich perfekt in das glänzende Gesamtbild des Films einfügend. Vor allem in der Blu-ray-Fassung der Collector‘s Edition mit Triple Play (BRD, DVD, digitale Kopie) ist „Planet der Affen – PRevolution“ dabei gleichzeitig brillantes Prequel und für sich genommen erstklassiges und glaubwürdiges Thrillervergnügen.
Jakob Raabe
Planet der Affen – Prevolution
[USA 2011, Fox]
Regie: Rupert Wyatt
Darsteller: James Franco, Freida Pinto, Andy Serkis, John Lithgow
Features: Wendecover, entfallene und erweiterte Szenen, Featurettes u.v.m.
Fazit: Affen zu den Waffen – höchst gelungenes und packendes Prequel zur Klassikerreihe über die Herrschaft der behaarten Primaten


