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Luca Turilli’s Rhapsody

Das doppelte Lottchen

Aus eins mach zwei: Multiinstrumentalist Luca Turilli trennte sich von seiner ehemaligen Band Rhapsody Of Fire, um unter (fast) demselben Namen Namen, aber mit neuen Mitstreitern seiner Version des "Film Score Metal" zu frönen.

Vermehrung durch Zellteilung: Als im vergangenen Spätsommer die Kunde durchdrang, dass Multiinstrumentalist Luca Turilli bei Rhapsody Of Fire aussteigt, nur um in friedlicher Koexistenz und mit Luca Turilli’s Rhapsody ebenfalls dem „Film Score Metal“ zu frönen, erntete der italienische Schwarzschopf verwundertes Kopfschütteln.

Auch jetzt, da er mit seinem neuen Stimmwunder Alessandro Conti und dem, äh, Albumdebüt „Ascending To Infinity“ aufwartet, wollen die Fragezeichen aus den Pupillen der Fans nur schwer weichen. Womit sich in erster Linie die Frage stellt, was der Sinn und Zweck dieser Übung überhaupt ist…

„Mit unserem vor gut einem Jahr veröffentlichten Opus ‚From Chaos To Eternity‘ brachten wir die Saga vom Smaragdschwert nach zehn Alben und knapp 20 Jahren zu einem guten Ende“, holt Turilli zur Erklärung aus. „Das ist eine lange Zeit – und gleichsam der geeignete Zeitpunkt, sich anderen Projekten zu widmen. Denn nun eine weitere Saga in Angriff zu nehmen, würde heißen, in derselben personellen Konstellation ein Konzeptwerk zu beginnen, das uns erneut mindestens zehn – wenn nicht noch mehr – Jahre in Atem hält und keine Freiräume zulässt, etwas anderes auszuprobieren.“

Damit nähern wir uns aber nur langsam des gelockten Straßenköters Kern. Denn Rhapsody Of Fire kannten denselben Hauptsongwriter wie jetzt Luca Turilli’s Rhapsody: nämlich den Maestro himself.

„Für mich ändert sich damit ein wesentlicher Punkt: Ich kann mich endlich an den Keyboards austoben und muss nicht mehr mit der Klampfe in der Hand den Gitarrenhelden mimen“, lässt der gute Mann den Stubentiger aus dem Sack.

„Und ich führe meine Songs selbst zu einem guten Ende, arbeite selbst die Orchestrierungen aus – und darf mich jetzt auch anderen lyrischen Themen widmen, denn mit dem Abschluss der Fantasy-Saga endete gleichzeitig meine mir selbst auferlegte Verpflichtung, mich musikalisch und textlich an einem starren Konzept zu orientieren.“

Genau das sei jetzt „wie eine kleine Erlösung: Es gibt so viele Geheimnisse in der Welt, so viele Mysterien, derer ich mich annehmen und von denen ich erzählen möchte – endlich kann ich mich auch dort frei austoben!“ Das wiederum habe zur Folge, dass trotz der nach wie vor dominanten Orchestrierungen der Rockfaktor im Sound seines Unternehmens entschieden ausgeprägter sei.

Und das wiederum komme den stimmlichen Fähigkeiten Contis entgegen, auf dessen Entdeckung Turilli aus einem besonderen Grund sehr stolz ist: „Ich suchte schon immer einen Sänger, der einem Michael Kiske in nichts nachsteht. Denn mit Michael verbinde ich jene beiden Helloween-Scheiben, die mich erst zum Heavy Metal konvertieren ließ: ‚Keeper Of The Seven Keys – Part I+II‘. Alessandro ist dieser Mann: Er beherrscht die Kiske-Sphären ebenso wie die opernhafte Attitüde, für die wir Italiener so berühmt-berüchtigt sind und die den cineastisch-monumentalen Sound von Rhapsody schon immer prägte.“

Anders ausgedrückt: Luca Turilli’s Rhapsody repräsentieren klassischen Film Score Metal – ergänzt um eine nun ausgeprägte schwermetallisch-rockige Nuance.

Bestes Indiz dafür: das 16-minütige Meisterwerk „Of Michael The Archangel And Lucifer’s Fall“, sozusagen das musikalische Flaggschiff von „Ascending To Infinity“. Es verbindet den „modernen Touch in der Produktion“ mit den cineastischen Aspekten von Hollywood-Soundtracks und der Klassik des Stiefellandes.

Und liefert die abschließende Begründung dafür, warum Turilli nun sein eigenes Unternehmen ins Leben rief: „Ich fühle mich jetzt frei, nun all den modernen Elementen, die ich so mag, aber in all den Jahren nie in den Sound der Band einbringen durfte, nun endlich doch noch frönen zu können!“

Andreas Schöwe

Luca Turilli‘s Rhapsody
Ascending To Infinity
Nuclear Blast/Warner

"Ascending To Infinity" von Luca Turilli's Rhapsody bei mp3.saturn.de

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