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Ich + Ich

Die Innenministerin und ihr Außenminister

Auf eine „Gute Reise“ schicken uns Annette Humpe und Adel Tawil aka Ich+Ich mit ihrem dritten Studioalbum. Warum die manchmal auch im Supermarkt endet, erzählt das deutsche Erfolgsduo im piranha-Interview.

Annette, Adel, eine „Gute Reise“ kann eine Zustandsbeschreibung sein, ein Gruß...

Annette: ...oder ein Abschied! Das ganze Leben ist ja einer! Es gibt den Song „Die Lebenden und die Toten“ auf der Platte. Ich habe im letzten Jahr zwei Freundinnen und meinen Vater verloren, und das Lied ist auch für die. Ich denke jeden Tag an sie.

Warst du darauf vorbereitet?

Annette: Nun ja, dass wir nicht unsterblich sind, weiß ich schon, seit ich fünf bin. Da lag eines Tages der Wellensittich tot im Käfig. Mein Vater starb kurz vor seinem 88. Geburtstag. Und auch mit meinen Freundinnen war es abzusehen. Ich konnte mich verabschieden. Bei meiner Mutter war es plötzlich gekommen, deshalb habe ich noch heute dran zu knacken. Nun bin ich Vollwaise.

Adel, kannst du dich gut verabschieden?

Adel: Es geht so. Als Kind besuchte ich mit meinen Eltern alle ein bis zwei Jahre unsere Verwandten in Tunesien. Da war der Abschied immer sehr heftig. Ich habe das gehasst. Und mich immer gefragt, warum alle weinen. Erst später wird einem bewusst, dass es die Angst ist, sich nicht wiederzusehen. Deswegen bin ich nicht so der Abschiedsmensch.

Was die Tourneen von Ich+Ich angeht, nehmt ihr zwei auch immer Abschied voneinander: Adel bestreitet die Live-Shows seit dem letzten Album allein.

Annette: Das ist doch auch der Sinn unserer Aufgabenteilung. Er ist der Außenminister. Ich bin die Innenministerin.

Wenn Adel Außenminister ist, wäre er ja so was wie der Westerwelle von Ich+Ich!

Annette: Westerwelle ist in diesem Moment zum Glück noch kein Außenminister! Adel ist eigentlich eher ein Joschka Fischer.

Adel: Der ist mir auch lieber.

Findet ihr es OK, wenn ein Außenminister bei einer Pressekonferenz sagt: „Wir sind hier in Deutschland, bitte stellen Sie ihre Frage auf Deutsch?“

Annette: Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Heißt das, dass er nationale Gefühle hat? Oder heißt das, dass er kein Englisch kann?
Adel: Dann müsste er in die Schule und das schnell nachholen.

Eigentlich fehlt auf eurer Platte noch ein Protestsong wie „Junk“ vom letzten Album!

Annette: Ach, weil es so viel zu bemängeln gäbe, wüsste man ja gar nicht, wo man anfangen sollte, zu protestieren. Aber „Danke“ ist
auch politisch und hebt etwas hervor.

Euer „Danke“-Lied für die Arbeiterklasse!

Annette: Nicht nur, ich erzähle darin ja auch von Ärzten und Laboranten. Ich wollte, dass es durch alle Schichten geht.

In welchen Momenten seid ihr dankbar?

Adel: Wenn ich Deutschland mit dem Land vergleiche, aus dem meine Eltern kommen, dann hast du hier natürlich einen anderen Lebensstandard. Dafür kann man auch dankbar sein.
Annette: Ich bin andauernd dankbar. Ich habe einen Supermarkt, da kann ich kurz vor Mitternacht noch ein Schwarzbrot holen gehen. Dann sitzt da die Kassiererin und hat Ringe unter den Augen. Und du merkst, ihr tut die Hand weh von den immer gleichen Bewegungen. Dann sage ich: „Ich danke Ihnen, dass ich so spät einkaufen kann.“

Wie reagieren Menschen darauf?

Annette: Die hat sich gefreut. Und ich bin nach Hause gegangen und schrieb das Lied.

[Katja Schwemmers]

Ich+Ich
Gute Reise
Polydor/Universal

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