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Geoff Barrow/Beak>

Der Mann mit den kurzen Ks

Nein, Werkonservatismus ist keine schlechte Sache. Bei Geoff Barrow führt sie seit jeher zu guter Musik. Zunächst war da eine Band aus Bristol, ein Trio, das irre gut samplen konnte. Und die Samples in epische Klanglandschaften einpflanzte.

Portishead waren es, die in den neunziger Jahren dafür sorgten, dass TripHop nicht für immer mit Krautzigaretten assoziiert werden sollte. Die Deepness dieser Band schien eher auf den Genuss von einigen Gläsern edlem Rotwein mit ausgeprägtem Wechselspiel zwischen Phenolen, Gerbstoffen und Aromen zurückzuführen sein.

Längst hat der 41 Jahre alte Komponist, DJ und Produzent Barrow mit Invada sein eigenes Label gegründet, wo immer wieder Musik von Charakter veröffentlicht wird. In diesem Sommer erscheinen dort gleich zwei Alben, an denen Barrow beteiligt ist. Und während er dem New Musical Express erzählt hat, bei Portishead gehe es immer um gute Songs mit langer Lebensdauer, entfernen sich seine Projekte Beak› und „Drokk“ denkbar weit von gängigen Strophe-Brücke-Refrain-Schemata.

Das zweite Album von Beak› etwa arbeitet an ausgewählten Punkten noch mit menschlichen Stimmen. Doch erfüllen sie nicht die Aufgabe, möglichst Nachsingbares in den Raum zu werfen – die Stimme bei Beak› ist mit allen anderen Instrumenten gleichberechtigt.

Matt Williams, Billy Fuller und Geoff Barrow schaffen auf der Sammlung mit dem tollen Namen „››” ganz archaische Jam-Sessions. So hätten sie auch schon die Sippen des Homo erectus in den Steppen Mitteleuropas vor 400.000 Jahren am Lagerfeuer ersinnen können, hätte es zu der Zeit schon Rockschlagzeug, E- und Bassgitarre sowie Synthesizer gegeben.

Gemeinsam mit dem BBC-Filmkomponisten Ben Salisbury veröffentlicht Barrow auch noch das Album „Drokk”. Hier geht es noch reduzierter zu, schweben die Märklin-Eisenbahnen der elektronischen Musik, nämlich Oberheim-2-Synthesizer, durch die Welt. In ihren vor Spannung flüsternden Soundwelten denken sich Salisbury und Barrow einen Soundtrack zu der britischen Comic-Serie „2000 AD” aus, Science-Fiction mit bedrohlichen und lustigen Außerirdischen.

Meisterhaft reduziert das Duo dieses Thema, bis nur noch Kristalle aus Klang übrig bleiben: gut, dass Barrow wieder da ist.

Christoph Braun

Geoff Barrow/Ben Salisbury
Drokk
Invada/Cargo

"Drokk" von Geoff Barrow/Ben Salisbury bei mp3.saturn.de

Beak›
››
Invada/Cargo

">>" von Beak bei mp3.saturn.de

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