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Ein riskanter Plan

Ein Mann am Abgrund

Sam Worthington gibt sich in Regisseur Asger Leths Thriller zunächst als selbstmörderisch veranlagter Fenstersims-Flaneur zu erkennen. Erst im Beisein von Polizeipsychologin Lydia (Elizabeth Banks) zeigt sich, dass der gute Mann weit mehr (Über)Lebenswillen in sich hat, als es den Anschein hat. 

Alles beginnt mit einem Mann (Sam Worthington), der in einem New Yorker Luxushotel eincheckt, auf sein Zimmer geht, das Fenster öffnet und auf den schmalen Sims hinaustritt. Sofort wird der offenbar Lebensmüde von Passanten entdeckt, die Rettungsmaschinerie aus Sanitätern, Polizisten und Feuerwehr rollt an und spult routiniert ihr Rettungsprogramm ab.

Als der Polizeipsychologe jedoch Kontakt zu dem Mann aufnimmt, hat dieser offenbar schon genaue Vorstellungen davon, wie der weitere Verlauf des Tages auszusehen hat: Er besteht darauf, mit Unterhändlerin Lydia Mercer (Elizabeth Banks) zu sprechen. Lydia hat nach einem Betriebsunfall vor einem Monat jedoch nicht gerade die besten Referenzen, um den Selbstmörder von seinem Plan abzubringen. Ein von ihr betreuter Suizidgefährdeter sprang trotz Intervention von der Brooklyn Bridge in den Tod. Den potenziellen Springer auf dem Sims, die skeptischen Kollegen im Nacken und eine rasant wachsende Menschenmenge von Schaulustigen auf der Straße, muss sich Lydia auf ihre Intuition und Erfahrung verlassen, um unter Hochdruck dem Unbekannten seine Geheimnisse zu entlocken: Bei ihrem Gegenüber handelt es sich um den entflohenen Sträfling und Ex-Cop Nick Cassidy, der bis vor kurzem für den Juwelenraub am prominenten Baulöwen David Englander (Ed Harris) hinter Gittern saß. Die Beerdigung seines Vaters nutzte Nick zur Flucht, jetzt scheint er mit seinem Latein am Ende.

Die Unschuldsbeteuerungen Nicks sowie seine Behauptung, zu Unrecht für den Überfall verurteilt worden zu sein, scheinen zunächst nur den Verdacht zu bestätigen, der ehemalige Polizist würde aus reiner Verzweiflung über die Anschuldigungen den Freitod suchen. Was Lydia noch nicht weiß: Nick setzt mit ihrer Hilfe einen ausgeklügelten Racheplan in die Tat um, der ihm Genugtuung für erlittenes Unrecht einbringen soll. Doch Nicks Feinde ahnen bereits, dass sich hinter dem offensichtlichen Selbstmordgedanken des Ex-Cops weit mehr verbirgt, als es den Anschein hat, und holen zum Gegenschlag aus.

Regisseur Asger Leth, der zuvor mit seinem beklemmenden Dokumentarfilm „Ghosts Of Cité Soleil“ über Ganggewalt in Haiti aufgefallen war, liefert mit „Ein riskanter Plan“ sein kurzweiliges Spielfilmdebüt ab. Die Ausgangsprämisse „ungewöhnlicher Ort/ungewöhnliche Umstände“, mit der Genrekollegen wie Joel Schumacher („Nicht auflegen!“) und David R. Ellis („Final Call“) spielten, wird in Leths Händen zum höchst unterhaltsamen Thriller samt doppeltem Boden. Einige der kleinen Unglaubwürdigkeiten, die stets auftreten, wenn die Handlung eines Films allzu sehr um ein zentrales Plotkonstrukt aufgebaut ist, versteht Leth dabei geschickt hinter einem wissenden Augenzwinkern und ein wenig durchblitzender Selbstironie zu verstecken. Mit starkem Hauptdarstellerduo aus Sam Worthington und Elizabeth Banks sowie bekannten Gesichtern wie Jamie Bell, Kyra Sedgwick, Anthony Mackie und Ed Harris in kleineren Rollen verlässt sich „Ein riskanter Plan“ voll auf seine Stärke: als packendes Popcornkino bestens zu unterhalten. So setzt das Drehbuch mit geschickt verwobener Nebenhandlung einen actionreichen Gegenpunkt zur Immobilität seines Protagonisten und liefert neben Adrenalinkicks für Akrophobiker auch nervenzerrende Spannung für all jene Zuschauer, die selbst in luftigen Höhen einen kühlen Kopf bewahren. 
Eric B. Morten

Ein riskanter Plan
USA 2011 | Concorde
Regie: Asger Leth
Darsteller: Sam Worthington, Elizabeth Banks, Anthony Mackie, Jamie Bell, Ed Harris, Kyra Sedgwick
Features: Featurette, Audiokommentar

Fazit: höchst unterhaltsames und spannendes Popcornkino über einen verzweifelten Ex-Cop mit listigem Plan

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