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Dame König As Spion

Tinker Taylor Soldier Spy

Der britische Geheimdienst MI6 hat ein Leck, dem KGB ist es scheinbar gelungen, die Organisation zu infiltrieren. Jetzt liegt es am pensionierten Spionagemeister George Smiley (Gary Oldman), den Maulwurf ausfindig zu machen. Doch der kennt Smiley zu gut und weiss um dessen Schwachpunkte. 

George Smiley, zentrale Figur im ausgefeilten Agentenpuzzle von Regisseur Tomas Alfredson, ist kein Unbekannter. Bereits in acht Romanen von Spionageexperte John Le Carré, auf dessen Vorlage „Dame König As Spion“ beruht, hat Smiley als Anti-Spion seine Finger im Spiel. Mal nur an der Peripherie, mal nur flüchtig erwähnt, mal voll im Mittelpunkt des Geschehens. Anti-Spion vor allem deshalb, da Smiley, hier von Gary Oldman großartig verkörpert, so gar nicht ins heutige Bild des typischen Geheimagenten passt. Grau, bebrillt und unscheinbar, trennen ihn Welten von den muskelbepackten Bonds und Bournes dieser Welt, die sich mit verlässlicher Regelmäßigkeit aus fahrenden Zügen oder startenden Flugzeugen stürzen, um die Welt zu retten.

Smileys Spiel ist ein anderes. Die Erfahrungen, die John Le Carré in den fünfziger und sechziger Jahren selbst als Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes in England und Deutschland sammelte, gewähren dabei einen – natürlich dramaturgisch überspitzten, aber authentischen – Einblick in die Welt der „Intelligence“. Und die besteht eben nicht aus Ein-Mann-Armeen mit Rambo-Mentalität, sondern spielt sich in rauchigen Hinterzimmern ab, während unscheinbare Männer in grauen Anzügen versuchen, sich gegenseitig auszumanövrieren. Information ist die Währung, die Entscheidung, wer wann welche Information erhält, stets ein unter strategischen wie taktischen Aspekten abgewogenes Kalkül.

Das wird zumindest schnell deutlich, wenn sich Gary Oldman als pensionierter Geheimdienstberater zu Beginn der siebziger Jahre in den aktiven Dienst zurückbeordert sieht. Geflüsterte Gerüchte machen die Runde, dass es den Sowjets gelungen ist, einen Doppelagenten an die Spitze des MI6 einzuschleusen. Ein Verdacht, der den Ruf des renommierten Geheimdienstes dauerhaft schädigt, vor allem aus Sicht der Partnerschaft mit dem amerikanischen Äquivalents. Vier graue Eminenzen der Führungsriege stehen im Verdacht des Verrats, für den es vorerst nur einige Indizien gibt. Oder ist nicht alles doch nur eine clevere Desinformationskampagne des gewieften sowjetischen Spionagemeisters Karla (Michael Sarne)? Vorsichtig tastet sich Smiley voran, um das Gewirrr aus Interessen, Geheimnissen und Lügen zu entwirren.
Regisseur Alfredson verbrachte im Anschluss an sein düsteres Vampirmärchen „So finster die Nacht“ vier Jahre damit, die Verfilmung von John Le Carrés Doppelagentenjagd vorzubereiten. Das hat sich mehr als ausgezahlt, denn von der exzellenten, atmosphärischen Ausstattung über großartige Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema bis hin zum clever verschachtelten Plot ist „Dame König As Spion“ erstklassiges Agentenkino. Die klaustrophobische Stimmung imLondon der siebziger Jahre mit seinen faszinierenden Innenansichten der Spionagearbeit trägt ebenso maßgeblich dazu bei, die allgegenwärtige Paranoia des Kalten Kriegs heraufzubeschwören, wie die höchst sehenswerten Darbietungen des hochkarätigen Ensembles. Gary Oldman zeigt als undurchsichtiger wie unscheinbarer Geheimdienstermittler eine schlicht brillante Leistung, während ihn die britische Schauspielelite mit Namen wie Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, John Hurt, Ciarán Hinds, Benedict Cumberbatch und Toby Jones flankiert. Als komplexes, doppelbödiges und intelligentes Filmpuzzle, das Spannung, Charakterzeichnung und politische Paranoia zu einem faszinierenden Porträt verwebt, begeistert „Dame König As Spion“. Ein großartiger Spionagethriller!  
Eric B. Morten

Dame König As Spion
GB 2011 | StudioCanal
Regie: Tomas Alfredson
Darsteller: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, Ciarán Hinds, Toby Jones, Benedict Cumberbatch
Features: Booklet, Audiokommentar, Interviews, Featurettes,
Fazit: brillantes, komplexes und großes Thrillerkino nach dem Bestseller von John Le Carré mit großartigem Gary Oldman

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