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Bad Lieutenant

Down in the dumps

Ein Höhepunkt des Absturzkinos – Harvey Keitel sucht als abgewrackter Bulle im Höllenloch New York nach Vergebung. 

Von den Schuldeneintreibern der Mafia gehetzt, säuft, kifft und schnieft sich Harvey Keitel als drogensüchtiger Gesetzeshüter durch das infernalische Nachtleben von New York. Die einzige Hoffnung auf Erlösung ist für den Junkie mit Dienstmarke das Lösegeld, das der Mob auf die Vergewaltiger einer Nonne ausgesetzt hat.

Für den einstigen Scorsese-Star Keitel („Hexenkessel“) bedeutete das irgendwo zwischen verstörendem Realismus und katholischem Selbstfindungstrip – inklusive Gastauftritt von Jesus höchstselbst – angesiedelte Cop-Drama  nach Tarantinos „Reservoir Dogs“ den zweiten Hit in Folge, was der Karriere des nahezu in Vergessenheit geratenen Charakterdarstellers den nötigen Aufschwung verschaffte. Und das, obwohl das von Abel Ferrara („Die Frau mit der 45er Magnum“) inszenierte Treiben des bösen Bullen den US-Sittenwächtern ein Dorn im Auge war, weswegen „Bad Lieutenant“ mit der gefürchteten NC-17-Erwachsenenfreigabe abgestraft wurde. Auch 20 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung schafft es das düstere Psychodrama, das existenzielle Chaos seines Protagonisten geradezu körperlich spürbar zu machen und den Zuschauer mit einem unguten Gefühl im Magen zurückzulassen. Der Cineast hingegen reibt sich schon in freudiger Erwartung die Hände, ist doch nunmehr endlich die Zeit gekommen, die unwürdige DVD-Erstauflage zu entsorgen. So findet hier erstmals der englische Originalton auf den deutschen Markt und das Bild strahlt in bislang ungekanntem Glanz. Ferrara selbst gibt sich im Audiokommentar von der digital gesäuberten Optik des Films eher unangenehm überrascht – man merkt, dass es dem Mann am Schmutz gelegen ist. Inhaltlich wie optisch.
Nicolas Hennemann

Bad Lieutenant
USA 1992, StudioCanal
Regie: Abel Ferrara
Darsteller: Harvey Keitel, Zoe Lund, Victor Argo, Frankie Thorn, Paul Hipp, Bianca Hunter
Features: dreiteiliges Making Of, Audiokommentar, Trailer

Fazit: Die Blauscheibe kontrastiert das düster-dreckige Drama mit einer blitzsauberen Präsentation

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