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Assault – Anschlag bei Nacht

Morgengrauen. Das Ende ist da.

Ein Mitglied einer Jugendbande fasste eines Tages den Entschluss, dass er die erste Person, die aus einem Bus aussteigt, erschiessen würde. Daraufhin schoss er ein kleines Mädchen nieder. Dieser besonders schreckliche Fall sinnloser Gang-Gewalt inspirierte John Carpenter 1976 zu diesem schier unerträglich spannenden Klassiker. 

Im Ghetto Anderson herrschen hoffnungslose Zustände. Den Kampf gegen die allgegenwärtige Gewalt hat die Polizei längst aufgegeben, die Dienststelle vor Ort soll geschlossen werden. Nur eine Notbesetzung unter der Leitung des Neulings Bishop (Austin Stoker) hält noch Wache, bevor die Station endgültig dicht macht. Und ausgerechnet dort muss ein Gefangenentransport, der den berüchtigten Verbrecher Napoleon Wilson (Darwin Joston) befördert, Halt machen.

Die Situation eskaliert, nachdem einige Mitglieder einer Straßengang von Polizisten hinterrücks massakriert werden. Der Rest der mit gestohlenen Automatikwaffen ausgerüsteten Bande beginnt daraufhin einen Rachefeldzug, vor dem niemand sicher ist: Obdachlose, Frauen und Kinder geraten ins Visier. Als sich eines ihrer Opfer schnell genug in der Dienststelle verschanzen kann, beginnt die Belagerung. Ohne Strom, ohne Kontakt zur Außenwelt und nahezu unbewaffnet müssen sich das Polizeipersonal und seine Gefangenen zusammentun, um den Angriff der Gang zu überleben.

Das Handlungsgerüst des von Carpenters filmischem Vorbild Howard Hawks inszeniertem „Rio Bravo“ verlegte der spätere „Halloween“-Regisseur in die Gegenwart – und schuf so nicht nur einen modernen, angstschweißtreibenden Horrorfilm über den urbanen Alptraum Gang-Gewalt, sondern ein Musterbeispiel für rohes, packendes Actionkino. Derart kompromisslos, so verrät Carpenter, könne er einen Film heute nicht mehr inszenieren. Hierzulande stand der kaltschnäuzige Thriller zu VHS-Hochzeiten auf dem Index, selbst in Amerika stieß eine bestimmte Szene den Moralwächtern sauer auf. Carpenter schnitt sie heraus und bekam den Segen der US-Zensurbehörde. Daraufhin fügte er die beanstandete Szene wieder ein und brachte den Film ungeschnitten in die Kinos.

Hintergrundinformationen wie diese amüsante Anekdote bekommt man in den Special Features dieses limitierten Mediabooks zuhauf geboten. Doch allein mit umfangreichen Bonusfeatures hat man sich hier nicht zufrieden gegeben. Auch der Film selbst, der hier sowohl auf DVD als auch als Blu-ray-Fassung enthalten ist, wird in einer absolut würdigen Aufmachung präsentiert. Das Bild wurde mit dem klaren Ziel vor Augen, dass diese Veröffentlichung die ohnehin schon großartig aussehende US-Blu-ray in den Schatten stellen sollte, aufwändig restauriert. Einen kleinen Einblick in den für den HD-Transfer betriebenen enormen Aufwand gibt das informative, 24-seitige Booklet.

Auch beim Ton hat man sich größte Mühe gegeben. Neben der in als DTS-HD Master Audio 5.1 abgemischten Neusynchronisation sind hier auch – Entwarnung an alle Puristen – die originalen Monospuren auf den Scheiben vorhanden. Ein separater Audiotrack wartet mit der genialen, von Carpenter selbst komponierten Filmmusik auf.

Die größte Überraschung hält die Bonus-DVD mit der Dokumentation „Do You Remember Laurie Zimmer?“ bereit. Zimmer zog sich schon kurz nach ihrem „Assault“-Auftritt als toughe Hawkssche Heroine aus der Schauspielerei zurück und verschwand komplett von der Bildfläche. Die Regisseurin Charlotte Szlovak, die mit Zimmer den Film „Slow City Moving Fast“ drehte, beschloss, sie ausfindig zu machen. „Do You Remember Laurie Zimmer?“ feiert hier seine DVD-Weltpremiere und rundet dieses auf ganzer Linie gelungene Mediabook perfekt ab.
Nicolas Hennemann

Assault – Anschlag bei Nacht
USA 1976 | Capelight
Regie: John Carpenter
Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer
Features: Dokumentarion, Audiokommentar, Interview, Trailer, Booklet u.v.m.
Fazit: Der gnadenlose Großstadtthriller als 3er-Disc in grandioser HD-Aufmachung – hier stimmt einfach alles!

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