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Anonymus

Aus Spöttern werden oft Propheten

Als packenden Historienthriller inszeniert Roland Emmerich die Spekulation über den wahren Autoren hinter Shakespeares Werken. 

Kein 4chan-basiertes Hackerkollektiv mit den ikonischen Vendetta-Masken verbirgt sich hinter dem Titel von Roland Emmerichs neuestem Film. Stattdessen spekuliert Emmerich über die Urheberschaft der wichtigsten Klassiker der Theatergeschichte. Denn William Shakespeare und seine Rolle beim Verfassen von großen Stücken wie „Romeo und Julia“ oder dem „Sommernachtstraum“ ist nicht nur in Emmerichs fiktionalisierter Version der Geschichte Englands im 16. Jahrhundert umstritten. Auch in akademischen Kreisen ist die Spurensuche nach dem tatsächlichen Autoren ein heißes Eisen.

Mit derartig trockenen Spekulationen hält sich Emmerich jedoch nicht auf, sondern verquirlt Mythos mit Forschung, um uns mit einer gelungenen Mischung aus Politthriller und prächtig ausgestattetem Historiendrama zu unterhalten. Emmerichs Shakespeare stammt vom Intellekt her eher aus dem seichten Ende des Genpools und verdient seine Brötchen als Schauspieler. Als Strohmann des Adeligen Lord Oxford (Rhys Ifans) heimst er Ruhm ein, das tatsächliche literarische Genie muss sein Talent verbergen. Wieso und zu welchem Zweck, fächert Emmerich geschickt erzählt auf und folgt der Biografie des begnadeten Autoren Oxford. Zwischen einengendem Standesdenken, persönlichen Tragödien und politischen Intrigen ist dessen Schicksal der eigentliche Fokus.

So spekulativ manche der als faktisch dargestellten Sachverhalte auch sein mögen, Emmerich gelingt mit seinem opulenten Geschichtsthriller vor allem eins: Er fesselt sein Publikum mit cleveren dramaturgischen Kniffen und sehenswerten Darbietungen seiner Darsteller. Bedanken darf sich Emmerich dabei vor allem bei seinem Drehbuchautoren John Orloff („Band Of Brothers“), der komplexe Figurenkonstellationen und historische Fakten zum spannenden Bilderbogen aus Lust, Intirge und literarischem Verrat verknüpft und Emmerich damit eine hervorragende Grundlage für seinen sehenswerten „Anonymus“ liefert. 
Eric B. Morten

Anonymus
GB/D 2011 | Sony
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, David Thewlis, Xavier Samuel, Sebastian Armesto, Rafe Spall
Features: Audiokommentar, entfallene Szenen, Featurette
Fazit: spannende Spekulation um Shakespeares wahre Identität im Thrillergewand

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